deutsch   عربي   
Al-Boom

Saadiyat Island – Kultur im Quadrat

 

Eine virtuelle Ortsbegehung.

Von Jasmin Off


Hier geht’s zum arabischen Artikel.

Natürlich darf der Falke nicht fehlen. Wie die Flügel des stolzen Tieres ragt die Fassade des Guggenheim-Museums Abu Dhabi in die Luft – so zeigt es zumindest das Modell. Der Falke ist in der arabischen Welt Symbol für Wohlstand und Erfolg – kein Zufall, dass das Museum in seiner Form von ihm inspiriert ist. 2014 soll es eröffnen, es ist Teil eines monumentalen Projekts, mit dem Abu Dhabi zu einem Kunst- und Kulturstandort von Weltrang aufsteigen will.

Die Pläne von „Saadiyat Island“, die 2006 verkündet wurden, hatten die Fachwelt in Aufruhr versetzt: Neben der Guggenheim-Dependance eröffnen auf der Insel 500 Meter vor der Küste Abu Dhabis in den kommenden Jahren ein Ableger des berühmten Pariser Louvre, ein emiratisches Nationalmuseum, ein Maritimmuseum und ein Zentrum für Darstellende Kunst.

Der Kulturdistrikt nimmt allerdings den kleinsten Teil der Insel ein. In einigen Jahren sollen hier 150.000 Menschen in Luxusappartements ein neues Zuhause finden, umgeben von Sandstrand, Hotels und viel Freiraum für Freizeitaktivitäten. 12 Kilometer neue Straßen werden gebaut, drei Brücken werden die einzelnen Bezirke der 27 Quadratkilometer großen Insel verbinden. Innerhalb von 20 Minuten kommen Touristen künftig vom Flughafen Abu Dhabis ins neue kulturelle Herz der Region. Das Guggenheim wird das erste Museum sein, das Eröffnung feiern wird, die anderen Bauten sollen spätestens bis 2020 fertig gestellt sein.

Abu Dhabi ist das reichste Emirat. Wieviel es sich Saadiyat Island kosten lässt, darüber wurde wild spekuliert: Die Rede ist von 1,5 Milliarden US-Dollar. Gespart wurde nicht, für den Bau der neuen Museen haben sich die Emiratis hochkarätige Hilfe von preisgekrönten Stararchitekten geholt, allen voran Frank Gehry, der in der Kunstwelt bereits mit seinem Design für das Guggenheim in Bilbao für Aufsehen sorgte.

Die Rechnung, zu einem neuen kulturellen Mekka zu werden, könnte aufgehen. Abu Dhabi ist ohnehin längst zu einem touristischen Drehkreuz für Reisen nach Asien und in den Orient geworden. Kunstliebhaber aus der Region werden dann keine Langstreckenflüge mehr nach Paris oder New York in Kauf nehmen müssen.

Doch das Projekt ist nicht unumstritten. Dafür, dass der französische Louvre 20 Jahre lang Leihgaben nach Abu Dhabi schicken wird, erhält Frankreich Lizenzgebühren in Höhe von 700 Millionen Euro – ein Deal, der in der internationalen Kunstszene stark kritisiert wurde. Anfang dieses Jahres kam es zudem zu Protesten von einer Gruppe internationaler Künstler, die gegen die Bedingungen der Gastarbeiter auf der Baustelle des Louvre protestierten.

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es Intellektuelle, die den Import von ausländischer Kunst und Kultur kritisieren. Mishaal Al Gergawi arbeitete für die „Culture and Arts Authority“ von Dubai; die Projekte, die hier geplant wurden, übertreffen die Pläne von Saadiyat Island bei Weitem. Doch 2009 ging in der Finanzkrise das Geld aus – „das Beste, was Dubai passieren konnte“, sagt der Kulturschaffende heute. Denn nur mit dem Bau monumentaler Museen und dem Ausstellen ausländischer Kultur sei es nicht getan. Vielmehr müsse man auch die nationale Kultur der Vereinigten Arabischen Emirate und die Künstler im eigenen Land stärken.

Dennoch habe man aus den Fehlern in Dubai gelernt, davon ist Al Gergawi überzeugt. Man nehme sich jetzt mehr Zeit, solche Projekte zu konzipieren. 2006 wurde Saadiyat Island geplant. Heute, im Jahr 2011, sieht man noch nicht viel mehr als Sand, Strand und Baukräne. Nach arabischem Verständnis ist das eine Entwicklung im Schneckentempo.

Kategorie: Kultur |

Kommentare sind geschlossen.