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Al-Boom

Mit dem Blick zurück einen Schritt voraus

Während Dubai und Abu Dhabi kulturelle Megaprojekte aus dem Boden stampfen, konzentriert sich das Emirat Sharjah erfolgreich auf die Förderung der emiratischen Kultur. Wie das gelingen kann – eine Spurensuche vor Ort.

Von Jasmin Off

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Fabienne Herbane ist eine französische Künstlerin und Dozentin an einer Pariser Hochschule. Seit zehn Jahren reist sie immer wieder nach Sharjah, jetzt will sie ihre Leidenschaft für die arabische Kultur ihren Schülern weitergeben. Wie kultureller Austausch gelingen kann und warum Sharjah eine Ausnahme in den Emiraten ist, hören Sie im Video-Interview mit der Künstlerin.


Die Ausbreitung des Kapitalismus sorge dafür, dass wir ständig im kulturellen Austausch miteinander stehen. Umso wichtiger sei es, dass jedes Land auch seine eigene Kultur bewahrt, so Ossama Murra, der für die Regierung in Sharjah arbeitet. Was die Vereinigten Arabischen Emirate dabei von der Geschichte Europas lernen können, erklärt er im Videointerview.

Während Dubai und Abu Dhabi kulturelle Megaprojekte aus dem Boden stampfen, konzentriert sich das Emirat Sharjah erfolgreich auf die Förderung der emiratischen Kultur

Die Pläne, die für Dubai in der Schublade lagen, klangen abenteuerlich: Innerhalb weniger Jahren sollten hier so viele Museen, Theater und Kunstgalerien entstehen wie in London und Paris zusammen. Auch das Nachbar-Emirat Abu Dhabi versteht unter Kulturförderung vor allem eines: Import von ausländischer Kunst im großen Stil. Das Mega-Projekt „Saadiyat Island“ wird neben einer arabischen Dependance des Louvre auch ein Guggenheim-Museum beherbergen. In Dubai stehen die Baukräne nun finanzkrisenbedingt still, auch in Abu Dhabi gehen die Arbeiten langsamer voran als geplant.

Sharjah hingegen scheint einen Schritt voraus zu sein – und das mit einem Blick zurück. Das drittgrößte der arabischen Emirate stellt die nationale arabische Kultur und das islamische Erbe ins Zentrum seiner kulturellen Bemühungen. Schon oft in der Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate war Sharjah einen Schritt voraus: Hier gab es den ersten Flughafen, das erste Krankenhaus, die erste Zeitung. Auch die Kulturförderung geht eigene Wege.

Für die einheimische Bevölkerung gibt es Projekte wie „Knowledge without Borders“ („Wissen ohne Grenzen“). Jeder emiratische Haushalt erhält ein Bücherregal mit einer Literaturauswahl von jeweils 50 arabischen Werken – Leseförderung de luxe. Filmfestivals wurden ins Leben gerufen, eine jährliche Buchmesse ist mittlerweile im arabischen Raum etabliert.

1998 wurde die Stadt Sharjah von der UNESCO zur Kulturhauptstadt der arabischen Welt gewählt. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) ernannte das Emirat zur Hauptstadt der islamischen Kultur 2014. Die Zahl der Touristen steigt kontinuierlich an, im vergangenen Sommer kamen 18 Prozent mehr ausländische Gäste als im gleichen Zeitraum des Jahres 2010. Im Vergleich zu den Hochhaus-Wüsten Abu Dhabis oder Dubais bietet Sharjah Besuchern die Möglichkeit, die ursprüngliche arabische Kultur zu erkunden. In der Innenstadt lädt ein „Heritage“-Areal zum Schlendern durch historische Gebäude und traditionelle Märkte ein.

In diesen Tagen ist Fabienne Herbane im Emirat zu Gast. Die französische Künstlerin und Dozentin reist seit zehn Jahren nach Sharjah, um sich von der Sprache und Kultur inspirieren zu lassen. Im März 2012 wird sie erstmals gemeinsam mit ihren französischen Schülern eine Exkursion in die Region unternehmen – nur eines von vielen derartigen Projekten. Kultureller Austausch mit anderen Nationen – wovon Abu Dhabi und Dubai im großen Stil träumen, wird hier im Kleinen erfolgreich umgesetzt. Und liefert damit möglicherweise einen größeren Beitrag zur internationalen kulturellen Verständigung als alle monumentalen Museen zusammen.

Kategorie: Kultur |

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