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Al-Boom

Das Gründer-Mekka

 

Mit ihren Freihandelszonen machen es die Vereinigten Arabischen Emirate Firmengründern leicht: Immer mehr Unternehmen aus dem Ausland siedeln sich in dem Land am Golf an. Auch Deutschland kommt auf den Geschmack.

Von Katrin Kampling

Sieben Emirate
32 Freihandelszonen
 
Beliebteste deutsche Exportprodukte:
Automobile und Ersatzteile, Maschinen, Elektronik und Elektrotechnik, chemische Erzeugnisse
 
Beliebteste emiratische Exportprodukte: Metalle, Kunststoffe, Elektronik und Elektrotechnik, Maschinen, chemische Erzeugnisse



Der deutsche Botschaftsrat Mathias von Polenz beschreibt die deutsch-emiratischen Beziehungen und das gemeinsame IRENA-Energieprojekt.



Der Freihandelszonen-Geschäftsführer Fujairahs, Sharif Habeeb Al Awadi, hat ein paar Ratschläge für deutsche Firmengründer.

Viele Tanklaster fahren nicht mehr durch die Straßen des arabischen Emirats Fujairah. Das liegt nicht etwa daran, dass das Ölvorkommen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in den letzten Jahren zurückgegangen wäre – sondern an einer deutschen Firma. Der Baukonzern Bilfinger Berger kam vor fast zehn Jahren nach Fujairah, das etwa so groß wie das Saarland ist. Seine Mission: das Abwassersystem des Emirats zu revolutionieren. Zwischen 2005 und 2008 baute Bilfinger Berger ein komplexes Rohrsystem sowie eine große Kläranlage. Bis dahin hatten die Bewohner Fujairahs ihr Schmutzwasser wie auf einem Campingplatz entsorgen müssen. Sie leiteten es in einen Tank im Keller und riefen die Gülle-Laster, sobald jener überzulaufen drohte.

Was die Einwohner Fujairahs von der neuen Anlage halten:

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Bilfinger Berger ist nur eine von vielen deutschen Firmen in den VAE.  Allein in Abu Dhabi haben sich mehr als 370 Unternehmen aus Deutschland angesiedelt. In Dubai ist es etwa das Dreifache. Wie viele andere internationale Firmen profitiert Bilfinger Berger von seinem Sitz in einer Freihandelszone. Sowohl das Unternehmen als auch seine Inhaber müssen keine Steuern zahlen. Sie können das Kapital frei bewegen. Das bedeutet, dass die deutschen Unternehmen auch über die emiratische Landesgrenze hinweg so über das Kapital verfügen können, als ob sie innerhalb Europas arbeiteten. Und schließlich gehört die Firma zu 100 Prozent dem deutschen Unternehmer.

Gerade letzteres ist nicht selbstverständlich, wie Dalia Abu Samra-Rothe von der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer (AHK) erklärt:

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Es gibt allerdings nur wenige direkte deutsche Investitionen in schon bestehende Unternehmen. Trotzdem gehört Deutschland zu den fünf wichtigsten Wirtschaftspartnern der VAE. Abgesehen von einem Einbruch in 2009, dem Jahr der weltweiten Finanzkrise, stiegen nach Angaben der AHK die deutschen Exporte in die Emirate stetig. Im letzten Jahr kauften die Emiratis deutsche Produkte im Wert von insgesamt 7,58 Mrd. Euro. Damit exportierte Deutschland etwa 23 Prozent mehr als im Vorjahr und erreichte fast wieder den im Jahr 2008 aufgestellten Höchstwert von insgesamt 8,17 Mrd. Euro. Für 2011 wird sogar ein Wert von 8,2 Mrd. Euro erwartet, so der deutsche Botschaftsrat Mathias von Polenz. Der emiratische Export nach Deutschland steigt ebenfalls, allerdings auf einem geringeren Niveau. Im Jahr 2010 lag der Wert bei 0,54 Mrd. Euro und hat sich damit in den letzten zehn Jahren verdreifacht.

Obwohl in kaum einem Land so viele teure deutsche Autos fahren und vor allem im Bereich der Sicherheit deutsche Technologie gefragt ist, schenken die Emiratis den deutschen Händlern nichts . Auch in einer Kultur mit „Gold-To-Go“-Automaten entscheiden Preis und Qualität über den Kauf. Bei den Verhandlungen müssen die Deutschen aber auch die kulturellen Erwartungen der Emiratis erfüllen, sagt Abu Samsra-Rothe von der AHK:

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Bei Bilfinger Berger hat das Freihandelszonenkonzept jedenfalls gefruchtet, wie Mamoun Maghrabi, Geschäftsführer der Niederlassung in Fujairah,  verrät: „Die Gründung der Firma hat nur etwa eine Stunde gedauert.“

Kategorie: Wirtschaft |

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